Bolivien Mai 2018


Die Navigatöse
Wie wichtig die Aufgabe der Navigation ist, kann man sich vorstellen. Aber bei Reisen wie wir es praktizieren, ist es noch einiges schwieriger, denn wir fahren nicht nur in unbekannten Landen herum, sondern wir sollten noch einige andere Sachen berücksichtigen. So z.B. sagt die Höhenmedizin, man soll nicht zu schnell hoch hinaus. Hier ein Beispiel, wie wir es erlebt haben.
Wir starten am Morgen im bolivianischen Tiefland, auf der Ruta 4 in Richtung Cochabamba. In Santa Cruz und Buena Vista sind wir auf knapp 400müM. Die Strasse führt gemächlich dem Fluss entlang. Unterwegs gibt es Mittagshalt und Pause. Ab Villa Tunari sind es noch ca. 160km bis Cocha. Wir haben geplant, dass wir auf ca. 1800m einen Übernachtungsplatz suchen. Zuerst geht’s jedoch noch ruhig und gemütlich der Ebene entlang, bis dann die Aussage der Navigation kommt: erste Haarnadelkurve links, dann langgezogene Kurve rechts, starke Kurve links usw. So schrauben wir uns fast unmerklich Meter für Meter in die Höhe. Genügend trinken muss auch beachtet werden, immer wieder wird mir die Trinkflasche gereicht. Wieder mal einen LKW überholen, denn es geht immer steiler hinauf. In kurzer Zeit machen wir mehr Höhenmeter als uns lieb ist. Was war das mit der Akklimatisation? Wir erreichen den ersten Pass auf 3200m. Herrlich ist es hier oben von der Landschaft her, aber wo sollen wir übernachten? Nächster Stellplatz wäre auf 3400m!! Sollen wir zurück hinunter, wo wirklich kein geeigneter Platz vorhanden war? Oder weiterfahren über den nächsten Pass und hinunter in die Stadt? Wir fahren weiter, schrauben uns auf 3700m hoch in eine Landschaft mit fast hängenden Feldern. Überall sehen wir Getreidegarben, die zum Trocknen aufgestellt sind. Von der Passhöhe sind es gerade mal 30km bis Cochabamba wieder auf 2560m. So geraten wir in dieser Grossstadt in den Abendverkehr und müssen so den Camping finden.
Mit einer Ruhe kommt die Ansage: Wir bleiben die nächsten 6km auf dieser Strasse. Bei der nächsten Kreuzung halten wir uns rechts, dann links abbiegen. Dieser Strasse folgen wir die nächsten 4km. Linke Spur nehmen, dann beim Lichtsignal abbiegen, der ungeteerten Holperstrasse folgen. Der Strassenverlauf gleicht einem zick-zack-Kurs. Stopp, hier sollten wir rechts abbiegen, wir stehen jedoch vor einem riesigen Tor. Ah doch, da hat es noch eine Piste scharf rechts, dann rechts, links usw. es sind noch 300m bis zum Ziel! Die Einfahrt ist getarnt, versteckt und eng. Eine kurze Nachfrage beim Personal und wir haben die Einfahrt und einen schönen Stellplatz für die Akklimatisation gefunden.
Ein grosses Lob für die Ruhe und Planung, sowie die Voraussicht meiner „Navigatöse Alice“!!
Es dankt: der Fahrer Köbi



Paraguay Chaco – Bolivien -11.05.18
Von Asuncion resp. Altos aus führt unser Weg durch den paraguayanischen Chaco zur Grenze nach Bolivien. Die Strasse ist geteert, jedoch in einem Zustand, der wirklich zu wünschen übrig lässt. Viele tiefe Löcher und Gräben befinden sich mitten auf der Fahrbahn, so dass es eine richtige Achterbahnfahrt wird und äusserste Konzentration erfordert. Wir besuchen die deutschsprachigen Orte Loma Plata, Filadelfia und Neuland, informieren uns über den Chacokrieg und sind glücklich, dass wir im Eisenwarenladen die benötigten Teile in Deutsch bestellen können. Der Chaco wurde von den Mennoniten besiedelt und fruchtbar gemacht. Wir übernachten auf dem Parkplatz eines Hotels mit Pool und geniessen das Mittagsbuffet im Restaurant. Köbi montiert noch eine zusätzliche Hupe, damit sich unser Röno auch im bolivianischen Strassenverkehr durchsetzen kann. Auch in dieser Gegeben ist nur die Hauptverkehrsachse geteert, die anderen Quartier- und Nebenstrassen sind Naturstrasse, d.h. rote Erde gewalzt. Nachdem es in den letzten 3 Tagen öfters Gewitter gab, sind die Strassen matschig und es liegt viel Wasser auf und neben den Wegen. Die Nebenstrasse, die uns dann nach Rosaleda führt wurde zur Herausforderung für Köbi und Röno, da sich die Reifen mit dem Matsch füllten und es teils zu Schlitterpartien kam, die gar nicht in unserem Sinn waren. Doch die Begegnungen mit den Schweizer Auswanderer entschädigten uns fürs Herzklopfen unterwegs. Wir werden sehr freundlich empfangen und erfahren spannende Lebensgeschichten, besonders beeindruckt waren wir von Ernst, dem Honigpapst. Sein Wissen über die Natur, die Heilkräuter und deren Verwendung im Honig ist einfach einmalig. Gerne hätten wir uns länger aufgehalten, aber bei den Wetterprognosen weiss man nie was noch von Oben kommt! Nein wir fahren nicht zurück auf die Ruta 9 sondern nehmen die Naturstrasse Picada 500 westlich, die uns in 200km gerader Streckenführung zur Grenze bringt. Fast allein sind wir gute 4 Std. unterwegs durch die weiten, flachen Ländereien, die durch hohe Büsche, Sträucher und Gras zur Strasse hin abgetrennt sind. Alles ist grün und gedeiht üppig.
Am Grenzübergang machen wir Nachthalt und fragen nach, warum die vielen LKWs beidseits der Grenze nicht abgefertigt werden. Laut Erklärung fehlen irgendwelche Papiere, so dass einige Fahrer schon 1 Woche hier warten müssen. Bei uns geht das Zollprozedere problemlos, auch wenn die Grenzbeamten sehr langsam arbeiten!
Was erwartet uns im 6. Land in Südamerika? Was ist anders hier? Schon mal die Strassen in der Region von Villa Montes bis Santa Cruz sind in sehr gutem Zustand, geteert und ohne Löcher. Verkehr hat es wenig und es ist easy zu fahren. Neu, fast vor jedem Dorf versperrt uns ein Seil die Weiterfahrt, denn es fallen Strassengebühren an. D.h. ich muss aussteigen, beim kleinen Häuschen bezahlen, ev. beim Polizeiposten daneben noch die Autopapiere und den Pass zeigen, erst dann wird das Seil runter gelassen und die Durchfahrt freigegeben. Ein Polizist sagte: „Señora bitte eine freiwillige Spende für unsere Polizei“. Aha, darum haben die anderen Fahrer schon ein Nötli beim Ausweis dazugelegt. Bei der nächsten Polizeikontrolle will der junge Beamte ins Fahrzeug schauen und ich muss die 2 Kisten unter dem Bett hervorholen. Danach noch hinten reinschauen, staunen und fragt was im Wassertank sei. Dann versuchen 2 Polizisten mir zu erklären, dass der Benzinkanister nicht mitgeführt werden dürfe, es seien schon 5 Personen so gestorben. Mein Blick war sicher voller ???? Und was will die Frau überhaupt, sie holen Köbi aus dem Auto und erklären erneut. Als ich frage ob das den wirklich so sei in Bolivien und ob wir dann den Kanister im Auto transportieren dürften, erhalte ich keine Antwort, jedoch die Papiere zurück und mit einem Murren und Handschlag können wir weiterfahren. Was war das nun??! Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn man nicht alles versteht. Die Männer hier haben immer eine sehr dicke Backe gefüllt mit Cocablättern, so dass die Aussprache ein Genuschel und gewöhnungsbedürftig ist. Auf der Ruta 9 fahren wir bis Ipati und biegen dann auf die Ruta 6 ab und wollen über die Hügelkette langsam hoch bis Sucre. Wir kommen nur etwa 75 km weit, auf sehr unterschiedlichen Strassenuntergründen und durch Baustellen, dann stehen wir mit anderen Autos und LKWs vor einer Strassenblockade. Wir machen es uns gemütlich, nehmen unsere Campingstühle raus und machen mal Mittagsrast. Nach knapp 2 Std. kommen wir ins Gespräch mit einem Herrn, der gerade über den Dreckhaufen zurückkam. Er erklärte uns, ein Konflikt unter den Provinzen sei der Grund und alle Zufahrten nach Sucre seien blockiert! Wir beraten ob wir auf gut Glück abwarten, kann zwischen 3-6 Tage dauern, oder wenden und den ganzen Weg zurück fahren. Wir wenden und beschliessen, zuerst nach Santa Cruz zu fahren und uns dort wieder zu informieren wo wir weiterfahren können.
Viele Bauern verkaufen ihre Erzeugnisse direkt am Strassenrand, auf dem Bauernmarkt oder in kleinen Schuppen. In den kleinen Dörfern kauft man im Tante Emma Laden, der am Strassenrand steht und noch eine Bestelltheke hat wie in der Schweiz vor 50 Jahren, also keine Selbstbedienung. In der Stadt Santa Cruz de la Sierre finden wir dann eine Maxi Supermercado mit einer Auswahl, da geraten sogar wir ins Staunen. Auch die Fleischtheke sieht einer europäischen wieder sehr ähnlich. Das haben wir in all den anderen Ländern nie so gesehen! Erstaunlich, ist dies doch ein sehr armes Land.
Wir haben einen schönen Stellplatz vor der Stadt bei einem Hotel gefunden. Von noch über 30° am Donnerstag, begann es in der Nacht zu regnen und kühlte ab auf 15°. Ein guter Tag zum Einkaufen. Also los auf die Suche nach neuen Reifen, damit Röno wieder guten Grip hat. Wir fragen uns durch die diversen Reifenhändler, die alle in derselben Strasse nebeneinander stehen. Die Marken und Angebote sind sehr unterschiedlich, der gleiche Reifen von einem Ort zum Andren wird immer teurer. Also in die nächste Strasse und wir finden einen der passt und auch noch relativ günstig ist. Also kaufen, einladen und zur nächsten Gommeria fahren, um die Reifen dann zu wechseln. Die Arbeiter wollten Röno mit dem 2 Säulenlift anheben, hatten jedoch keine Erfolg, da die Hebearme zu kurz waren. So heben sie Röno mit dem Lift nur vorne an und hinten mit dem Wagenheber, als plötzlich die Säule des Liftes nachgibt, die Schrauben und die Betonplatte aus dem Boden gerissen werden. Uuuppss…. und der Depp verwechselt auch noch den Schalter und stellt auf hoch und nicht runter!!!! Gottseidank ist unserem Röno nichts passiert und die Säule ist nicht umgefallen;). Danach verlief die Montage problemlos und wir fahren mit viel Grip weiter.